Architektur zwischen Transparenz und Vogelschutz

Glaswürfel auf dem Drachenfels begeistert und erregt Aufsehen

Der Drachenfels – mit 321 Höhenmetern berühmtester Hügel des Siebengebirges, und ein Ort traumhafter Ausblicke über Rhein und das Rheintal. Rund 450.000 Besucher genießen jährlich die Aussicht vom Drachenfels-Plateau. In der Saison 2013 lockt das Ausflugsziel nun auch mit einem neuen Lokal: 9,2 Mio. Euro investierten das Land Nordrhein-Westfalen, die Stadt Königswinter und die Wirtschafsförderungs- und Wohnungsbau GmbH in den Bau eines komplett verglasten Ausflugslokals. Wegen der exponierten Lage stand Tierschutz an erster Stelle, denn durch die reflektierende und beinahe transparente Architektur entschieden sich die Ver-antwortlichen für den Bau mit Vogelschutzglas vom baden-württembergischen Glasveredler Arnold Glas. Dieses Glas vermindert sogenannten Vogelschlag und wird von Tierschutzorganisationen gelobt.

Königswinter im Rhein-Sieg-Kreis liegt am Drachenfels und ist Seit Gründung der Bundesrepublik ein vielbesuchter Ort. In der Nähe von Bonn gelegen, war Königswinter zu Zeiten der Bundeshauptstadt vom geschäftigen Politik-Betrieb geprägt. Seit dem Umzug der Regierung nach Berlin ist es wieder beschaulicher, aber vor allem touristisch nicht weniger attraktiv geworden. Denn der Blick über den Rhein und das Rheintal ist vom Drachenfels aus bei Einheimischen und Touristen aus dem In- und Ausland geschätzt und geliebt. Um diese Aussicht optisch ungestört genießen zu können, haben sich das Land Nordrhein-Westfalen, die Stadt Königswinter und die Wirtschafsförderungs- und Woh-nungsbau GmbH (WWG) entschieden, ein gläsernes Ausflugslokal auf dem 321 Meter hohen Drachenfels-Plateau zu errichten.

Ungetrübte Aussicht und keine toten Vögel an der Scheibe

Dafür wurde Ende 2010 das bisherige Ausflugsrestaurant, ein unansehnlicher Betonklotz, abgerissen – zugunsten eines architektonisch spannenden Glaswürfels, der auch den Ansprüchen an Energieeffizienz Rechnung tragen sollte. Die Besonderheit des Gebäudes ist die Fassade. Sie besteht aus dem Vogel-schutzglas Ornilux von Arnold Glas. Denn wie immer bedeuten große Glasflächen, in denen sich Natur spiegelt und die teilweise sogar eine komplette Durchsicht durch Glasflächen über Eck ermöglichen eine mögliche Gefahr für Vögel. Sie erkennen oft erst zu spät, dass die reflektierende Scheibe eine Naturlandschaft im wahrsten Sinne des Wortes nur vorspiegelt. Ein spezielles Vogelschutzglas kann vor dem Tod an der Scheibe schützen und erlaubt den Drachenfels-Besuchern dennoch eine ungetrübte Aussicht. Denn der Effekt in der Glasscheibe, der den Vogeltod vermindert, ist für das menschliche Auge so gut wie unsichtbar.

Tierschützer stehen hinter dem Vogelschutzglas

Das von Arnold Glas produzierte Spezialglas hat seine Wirksamkeit in zahlreichen Testreihen unter Beweis gestellt. Eine unauffällige und weitgehend transparente Markierung, die Ultraviolett (UV)-Licht sichtbar macht, basiert auf der wissenschaftlichen Annahme, dass Vögel im Gegensatz zum Menschen in der Lage sind, UV-Licht zu sehen. Ornilux-Scheiben beinhalten für Vögel sichtbare Beschichtungen wodurch die Scheibe als Hindernis erkennbar wird. Die Wirk-samkeit der untersuchten Gläser wurde vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Radolfzell mit rund 850 Vögeln getestet und bestätigt. Und der Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV), eine der wichtigsten Vogelschutzorganisationen in Süddeutschland, ist eine exklusive Partnerschaft mit dem Glashersteller eingegangen.

Ein Ergebnis der seit 2008 bestehenden Partnerschaft zwischen LBV, dem Naturschutzbund Deutschland (NABU) und Arnold Glas ist eine Broschüre zur Bedeutung und Wirkung von Vogelschutzglas. Sie kann unter www.lbv-shop.de bestellt werden. In der Praxis hat sich das Glas unter anderem im Zoo von New York, dem Tierpark Hellabrunn in München, dem Naturinformationszentrum im Karwendelgebirge, einem Verwaltungshochhochhaus in Hamburg und einem großen Stadtbad in Plauen bewährt. Außerdem ist Ornilux schon mit Tierschutz- und Designpreisen ausgezeichnet.

Zahlreiche Auszeichnungen für Design und Umweltschutz

Nach dem „Innovationspreis Architektur im Bauwesen“ und der Nominierung für den „Designpreis Deutschland“, erhielt Ornilux eine Auszeichnung beim „Innovationspreis Industrie “ sowie den „Progress Award“ der internationalen Tierrechtsorganisation PeTa. Im März 2010 wurde Ornilux mikado mit dem begehrten „red dot design award (best of the best – Prädikat)“ ausgezeichnet. In den USA wurde Ornilux mikado 2010 unter die Top-10 Green Building Products gewählt und 2011 mit dem Crystal Achievement Award versehen.

Einen Wermutstropfen gibt es auf dem Drachenfels allerdings (noch) zu beklagen: Die Glasfassade des neuen Lokals muss bis dato mit unansehnlichen Streifen beklebt werden. Grund ist eine Klage des BUND, zu der erst in drei Jahren ein Urteil erwartet wird. Der Landrat des Rhein-Sieg-Kreises, Frithjof Kühn, fordert einstweilen „freie Sicht für freie Bürger“. Und das mit gutem Grund und ebensolchem Gewissen.

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